„Der Traum von elektrischer Mobilität ist teurer, als viele wahrhaben wollen.“

26.05.2010 Compaas Group

Klimafreundlich, geräuscharm, wachstumsbringend – große Hoffnungen liegen auf Elektroautos. Doch bei aller Euphorie lohnt es sich, einen Blick auf die Hürden vor dem serienreifen Elektroauto zu werfen.


Bis zum Jahr 2020 will die Bundesregierung eine Million Elektroautos auf die deutschen Straßen bringen. Im Mai 2010 wird die „Nationale Plattform Elektromobilität“ ins Leben gerufen, die die Anstrengungen von Industrie und Regierung koordiniert. Aus dem Konjunkturprogramm II fließen bis 2011 115 Millionen Euro in Pilotprojekte in acht Regionen. Der schnelle Siegeszug der Elektroautos scheint gewiss. Das sang- und klanglose Ende des Hypes um Wasserstoff- und Brennstoffzellen zeigt jedoch, dass mittel- und langfristige Herausforderungen nicht zu unterschätzen sind.

Compaas Group zeigt eine Reihe von Herausforderungen auf, mit denen sich Industrie, Verbraucher und Regierung noch konfrontiert sehen.

  • Infrastruktur: Noch ist kein dichtes Netz an (einheitlichen) Ladestationen vorhanden. Wenn wir zumindest im Anfangsstadium auf die private Steckdose vertrauen, stolpern wir dann demnächst über Kabel, die über die Bürgersteige zum Auto laufen? Immerhin haben vor allem in Stadtlagen die wenigsten Autobesitzer eine Garage.
  • Sicherheit: Wie gehen wir mit lautlosen Fahrzeugen um? Weniger Straßenlärm ist an sich erfreulich, aber gefährlich, wenn Autos völlig überhört werden.
  • Die Batterien: Um die Elektroautos alltagstauglich zu machen, müssen die aktuellen Lithium-Ionen-Batterien weiter entwickelt werden. Noch sind sie zu groß (und nicht alle Autonutzer wollen oder können auf Kofferraum und/oder Rücksitze verzichten) und haben eine zu geringe Reichweite, vor allem wenn Heizung oder Klimaanlage betrieben werden oder Staus zu stop-and-go zwingen. Außerdem sind die Ladezeiten zu lang und die Lebensdauer der Batterien zu kurz.
  • Sind die nötigen Rohstoffe in ausreichendem Maße verfügbar? Lithium ist vor allem in Westchina und im Grenzgebiet zwischen Bolivien und Argentinien zu finden; die noch selteneren Erden liegen zu 95 Prozent in China und unterliegen bereits jetzt Exportbeschränkungen (FAZ, 03. Mai 2010 und WirtschaftsWoche, 21.11.2009). Befreien sich die westlichen Länder aus einer Rohstoffabhängigkeit, um die nächste (und diesmal nur von einem Land, nämlich China) zu beginnen? Können Elektroautos wirklich langfristig günstiger werden, wenn die Preise für die benötigten Rohstoffe immer weiter steigen?
  • Die Kosten werden oft unterschätzt. Rechnet man z.B. den Steuervorteil von Strom gegenüber Diesel heraus, fährt man laut ADAC mit Dieselantrieb deutlich billiger. Auch müssen die Kosten für Forschung und Entwicklung irgendwie wieder eingenommen werden, letztlich über die Fahrzeugpreise. Wie das Manager Magazin feststellt: „Der Traum von elektrischer Mobilität ist teurer, als viele wahrhaben wollen.“ (25.09.2009).
  • Langfristig sind Steuerausfälle für den Staat zu erwarten, da mit der Ausbreitung von Elektroautos die Mineralölsteuer wirkungslos wird. Wie soll das kompensiert werden? Durch eine Anhebung der Stromsteuer? Durch die Einführung der Pkw-Maut?

Es lohnt sich, sich auch diesen Fragen zu widmen – auch wenn die Bedeutung von Elektroautos für zukünftige Verkehrskonzepte unstrittig ist. Dazu der Verkehrs-Experte Prof. Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen: „So gedankenlos wie heute werden wir Autos nicht mehr nutzen können. Ohne Öl wird es wahrscheinlich nicht mehr möglich sein, individuelle Mobilität zu erhalten, wie wir sie heute kennen.“ (Manager Magazin, 25.09.2009)

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