Strategie Europa 2020: Lebenslanges Lernen nötig, um den Anschluss nicht zu verlieren

17.06.2010 Compaas Group

„Europa muss sein Arbeitskräftepotenzial voll ausschöpfen, um die mit einer alternden Bevölkerung und wachsendem weltweitem Wettbewerb verbundenen Herausforderungen zu meistern.“


An diesem Wochenende will der Europäische Rat die Strategie „Europa 2020“ verabschieden, die die Leitlinien für das Handeln der Europäischen Union in den nächsten Jahren maßgeblich beeinflussen wird. Die Strategie Europa 2020 folgt der Lissabon-Strategie nach, die sich die Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit zum Ziel gesetzt hatte – und mehr oder weniger gescheitert ist.

Um die Wirtschaftskrise zu überwinden und die EU-Wirtschaft auf das nächste Jahrzehnt vorzubereiten, setzt die Kommission auf „intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum“. Laut Europäischer Kommission kommt dabei  „der Befähigung der Menschen (...), sich mittels der Aneignung neuer Qualifikationen an neue Gegebenheiten anzupassen und sich beruflich neu zu orientieren“ eine Schlüsselrolle zu – mit dem Ziel, die Arbeitslosigkeit zu senken und die Produktivität zu erhöhen. Anlass für uns, einmal einen Blick auf die Aussagen zur Weiterbildung zu werfen, die die  Strategie Europa 2020 enthält.

Die demografische Entwicklung bedeutet, dass die Zahl der Erwerbstätigen in der EU ab 2013/2014 sinken wird. Damit einher geht eine notwendige Verlängerung des Erwerbslebens.  Der Arbeitnehmer, der während seines gesamten Lebens neue Qualifikationen erwirbt und ausbaut hat bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die Ausgangslage ist nicht rosig: rund 80 Millionen Menschen in der EU verfügen nur über geringe oder grundlegende Qualifikationen, profitieren aber sehr viel weniger von den bisherigen Angeboten des lebenslangen Lernens als höher Qualifizierte. Insgesamt stellen sich den Mitgliedstaaten, die für die Umsetzung der Strategie Europa 2020 in weiten Teilen zuständig sind, große Aufgaben. Sie müssen die Möglichkeiten für effektive Weiterbildung und lebenslanges Lernen auf allen Ebenen schaffen.

Die angekündigten Maßnahmen der Europäischen Kommission und die Forderungen an die Mitgliedstaaten bleiben recht vage, auch wenn dies aufgrund der grundlegenden Natur der Strategie 2020 verständlich ist. So soll die Kommission u.a. „den strategischen Rahmen für die Zusammenarbeit in der allgemeinen und beruflichen Bildung unter Einbeziehung aller Beteiligten mobilisieren“,  die Attraktivität der beruflichen Aus- und Weiterbildung erhöhen und die Sozialpartner auf europäischer Ebene anregen, eigene Initiativen zu starten. Die Mitgliedstaaten sollen u.a. „nationale Qualifikationsrahmen“ erstellen und „Erwerb und Anerkennung der für Weiterbildungsmaßnahmen und den Arbeitsmarkt erforderlichen Kompetenzen in der allgemeinen, beruflichen, höheren und Erwachsenenbildung (...) gewährleisten und dabei auch die außerschulische Bildung und informelles Lernen ein(...)beziehen“. Kurzum, den Mitgliedstaaten bleiben weite Spielräume, um mit einer wirkungsvollen Bildungs- und Weiterbildungspolitik das Qualifikationsniveau zu heben und ihre Bürger fit für den Arbeitsmarkt der Zukunft zu machen. Um erfolgreich zu sein, muss sicher bei der Bildung und Weiterbildung nicht gespart, sondern gezielt investiert werden.

Es bleibt abzuwarten, ob Deutschland auf Grundlage dieser drängenden Appelle, aber vagen Vorschläge für konkrete Verbesserungen, ein wirkungsvolles Programm für die verstärkte Nutzung des lebenslangen Lernens entwirft und umsetzt. Zumindest wurden die Herausforderungen bereits erkannt. So äußerte sich Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen im März 2010 in einem Spiegel-Interview:

„Wer gut ausgebildet und bereit ist, sich ständig weiterzubilden, kann profitieren. Der Fachkräftemangel und der demografische Wandel sind ja bereits Realität. Bildung bleibt auch in einer immer flexibleren Arbeitswelt die wichtigste Voraussetzung für Teilhabe an Arbeit und Wohlstand.“

 

 

Dokumente:

Europäische Kommission, „EUROPA 2020. Eine Strategie für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum“, KOM(2010)2020 endgültig, Brüssel, 3.3.2010

Europäischer Rat, Schlussfolgerungen der Tagung am 25./26. März 2010, EUCO 7/10, Brüssel, 26.03.2010

Europa-Union Deutschland, „Europa 2020 – eine kritische Bewertung der neuen EU-Strategie“, EUD-konkret 3/2010

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