"Ohne Netzausbau gibt es kein Zeitalter der erneuerbaren Energien"

24.11.2010 Compaas Group

In Deutschland läuft derzeit die spannendste Energiediskussion weltweit. In keinem anderen Industrieland debattieren Politik, Wirtschaft und Gesellschaft so intensiv über so einschneidende Änderungen im Energiesystem.


Am 28. September 2010 hat die Bundesregierung ihr Energiekonzept beschlossen. Das Ziel: Deutschland soll zu einer der energieeffizientesten und umweltschonendsten Volkswirtschaften der Welt werden. Doch die Energie- und Klimapolitik steckt voller Widersprüche. Deutschland soll zur „ökologischen Musterwirtschaft“ (FAZ, 30.09.2010) werden. Gleichzeitig macht der deutsche Anteil am weltweiten Primärenergieverbrauch lediglich 2,6 Prozent (BP Statistical Review of World Energy 2010) und an den CO2-Emissionen 2,7 Prozent aus (IEA Statistics 2010). Die internationalen und europäischen Dimensionen werden jedoch immer noch als Nebenaspekte behandelt, dabei sind sie entscheidend. Ohne internationale Klimaabkommen, die Koordination des Netzausbaus auf europäischer Ebene und die tatsächliche Liberalisierung des europäischen Strommarkts können die Ziele des Energiekonzepts kaum erreicht werden.

Auch in der Öffentlichkeit muss ein Bewusstsein für die anstehenden Herausforderungen geschaffen werden. In der EU wird heute jedes zweite Stromprojekt und jedes zehnte Gasprojekt verhindert (laut Eurelectric, dem europäischen Dachverband der Elektrizitätserzeuger). Genehmigungsverfahren dauern zu lange, bei den Bürgern ist oft zu wenig Wissen über Energieaspekte und die Kosten der Umstellung auf erneuerbare Energien vorhanden. Irgendwie wollen wir alle die grüne Energiewende, Projekte vor der eigenen Haustür wie Transitleitungen, Pumpspeicherwerke oder CO2-Lagerstätten lehnen wir jedoch ab. Ein nächstes Reizthema zeichnet sich in den Photovoltaiksubventionen ab, mit denen die Bewohner von Mietshäusern vornehmlich Hausbesitzer subventionieren.

Um die Energiewende zu schaffen, müssen die konkreten Auswirkungen der Umstellung auf erneuerbare Energien thematisiert werden. Die öffentliche Debatte um das Energiekonzept hat sich bis jetzt vor allem auf die Laufzeitenverlängerungen für Kernkraftwerke beschränkt. Wenigen Stromkunden ist heute klar, dass sie der notwendige Ausbau der Energie-Infrastruktur Milliarden kosten wird. EU-Energiekommissar Günter Oettinger rechnet allein dafür in den nächsten Jahren mit 200 Milliarden Euro. Dennoch gilt: Ohne Netzausbau gibt es kein Zeitalter der erneuerbaren Energien. Das hat auch die Bundesregierung so kommuniziert (Bundeswirtschaftsminister Brüderle im Bundestag am 28.10.2010). Nun gilt es, diese Erkenntnis in eine konstruktive öffentliche Diskussion zu transferieren und die notwendigen Schritte einzuleiten.

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